Was sind ernährungsbedingte Erkrankungen überhaupt, welche Auswirkungen kann Ernährung haben?
Ernährung hat großen Einfluß auf unseren Körper, da alle Bausteine unserer Zellen aus Bestandteilen unserer Ernährung bestehen. Je höher also die Qualität der Nahrung ist, desto besser sind das „Körpermaterial“, unser Befinden und unsere kognitiven Fähigkeiten. Damit hat Ernährung Einfluß auf völlig verschiedene Erkrankungen, es ist aber auch ein wichtiges Tor für Gesundheit.Ernährungsbedingt kann also jedes Organsystem betroffen sein von einer Mangelernährung. Herz-Kreislauf, Leber, Hormone, Verdauung, Haut, Knochen oder Gehirn. Die als klassische Zivilisationserkrankungen bezeichnete Krankheiten, die aufgrund einer mangelhaften Ernährungen entstehen können sind vor allem hoher Blutdruck, Herzinfarkt, Fettleber, Diabetes, Adipositas, Leistungsabfall, ein geschwächtes Immunsystem, poröse Knochen oder verschiedene Magen-Darmerkrankungen und Krebserkrankungen.Ernährungsbedingte Erkrankungen sind aber nicht wirklich ein Novum des 21.Jahrhunderts. Sie sind immer ein Zusammenspiel aus Umweltbedingungen, Ernährungswissen und wirtschaftlicher Situation. Vor allem die Seefahrer des 15.Jh. kannten die Vitamin-C Mangelkrankheit Skorbut, süd- und osteuropäische, aber auch amerikanische Bauern kannten die Vitamin B3-Mangelerkrankung Pellagra, wenn die Nahrung hauptsächlich aus Mais bestand, weil Mais ertragreicher und widerstandsfähiger ist als das meiste Getreide.Es gibt ernährungsbedingte Erkrankungen in unterschiedlichen Formen, seit es Menschen gibt, nie konnte ein Ökosystem oder Sozialsystem dauerhaft so perfekt sein, dass durchgängig eine Spitzenernährung gewährleistet werden konnte. In der Vergangenheit waren es Missernten bei den Bauern oder politische Unruhen, und bei den Jägern und Sammlern klimatische Veränderung, zudem war man in der Nahrungsauswahl abhängig von dem Radius der Sippe. Was aber ist mangelhafte Ernährung? Wie unterscheiden sich die Mangelerkrankungen der westlichen Welt mit ihrem Überangebot zum Beispiel von den Mangelerscheinungen in Entwicklungsländern oder von historischen Mangelerkrankungen.
Die Besonderheit der heutigen ernährungsbedingten Erkrankungen
Die Welternährungslage von 2025 ist zum ersten Mal so, dass mehr Menschen an den Folgen schlechter Ernährung und Übergewicht leiden, als an akutem Hunger. Das Nahrungsangebot, das im Durchschnitt jedem Menschen zur Verfügung steht ist größer denn je.In der Vergangenheit war meist ein Mangel an bestimmten Nahrungsmitteln verantwortlich, heute ist der Überfluss an falscher Ernährung unser Problem. Aber was ist „falsche“ Ernährung und was „richtige“? Dazu hat jeder seine eigene Vorstellung, die kulturell und familiär geprägt ist.Heute gibt es ein Überangebot an billigen und leicht zugänglichen Nahrungsmitteln, die Krankheiten fördern. Sie sind meist billig, süß, hochverarbeitet, global gehandelt und aggressiv vermarktet.Aber nicht nur Fast Food und süsse Snacks stellen eine Herausforderung dar, sondern auch was wir zusätzlich essen, was sich in der Nahrungskette ansammelt. Meistens bekommen wir Nanoplastik, Nitrat, Kunstdünger, Abgase, Schwermetalle aus Pflanzenschutzmitteln, chemische Zusatzstoffe oder PFAS gratis mit dazu.Die zahlreichen und teils aggressiven Magen-Darmerkrankungen, sowie die vielen Nahrungsmittelallergien und Unverträglichkeiten mit steigender Tendenz, führen viele Mediziner auch auf toxische Begleitstoffe in der Nahrung, sowie deren Verarbeitung zurück, die es so in der Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben hat und für unsere Zeit sehr spezifisch sind. Unser Verdauungstrakt hat -würde man unseren Darm auffalten-mit 300 bis 500 qm die größte Berührungsfläche mit unserer Umgebung und stellt das Zentrum für Energie dar.Da wir über die Mikrobiomforschung wissen, wie eng die Darm-Hirn-Achse funktioniert, können auch neurologische Störungen aufgrund dessen ernährungsbedingt sein. Darmgesundheit und Mikrobiomforschung steht laut dem Ernährungsexperten Tim Spector vom King´s Kollege in London im Fokus des Medizin des 21Jh Jahrhunderts und damit auch unsere tägliche Ernährung.
Ernährungsbedingte Gesundheit im 21.Jh- worauf es ankommt
Nahrung hat neben der Sättigung auch pharmakologische Wirkung und ist damit in gewissem Maße Medizin. Sie kann nicht nur krank machen, sondern auch heilen.Bestimmte stark nährstoffreiche Nahrungsmittel- pflanzliche oder tierische Erzeugnisse, die medizinische Wirkung haben, können als besonderer Bestandteil der menschlichen Diät weit zurück in die Vergangenheit nachgewiesen werden.Die Steinzeitkost war regional, saisonal und umsonst, war pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, in unterschiedlichen Anteilen, abhängig von Witterung und Umgebung und wurde auch schon verarbeitet, geräuchert und erhitzt. Vergleicht man Knochenfunde aus der Mittleren Steinzeit ( ca. 35.000 Jahre vor unserer Zeit) mit Funden aus der frühen bäuerlichen Lebensweise im Nahen Osten ( ca. 12.000 vor unserer Zeit), waren die Jäger und Sammler größer und stärker mit einer meist besseren Mineralisation, als die ersten Bauern, die im Vergleich dazu eher schmächtig gewirkt haben müssen.Die ersten Bauern drosselten den Fleischkonsum zugunsten von Getreideerzeugnissen, um satt zu werden, Rohmilch, Kefir, Molke etc. wurden erfunden, gehörten hier aber auch zur täglichen Ernährung, ebenso wie Bier. Ihr Körper und die Verdauung reagierte mit einer kleineren und etwas schwächeren Statur, als die der Jäger und Sammler, aber die Überlebenswahrscheinlickheit stieg mit Getreide und Milch, was wohl auch etwas mit der Organisation der Sesshaftigkeit zu tun hatte und möglicherweise mit der erhöhten Zufuhr der B-Vitamine aus dem Getreide und der Möglichkeit der Vorratshaltung.Und wie sichern wir uns die Gesundheit durch Ernährung heute? Die vom Arzt Boyd Eaton und dem Anthropologen Melvin Konner 1985 formulierte ideale Ernährung des Menschen macht einen Rückriff auf die Steinzeit, die Paläo-Diet war geboren. ( „Paleolithic Nutrition: A Consideration of its Nature and Current Implications“).Im 20.Jahrhundert, im Zeitalter des massiven Übergewichts, Nahrungsallergien und Zivilisationerkrankungen, schien die Paläo-Diät ein guter Weg, an die Gesundheit unserer Vorfahren anzudocken.Angesichts einer mittlerweile stark bevölkerten Erde und vollkommen anderen Grundbedingungen scheint die Planetary Health Diet, (2019 von EAT Lancet Kommission begründet) jedoch ein besserer Lösungsansatz für unsere Gegenwart zu sein, um die globale Weltbevölkerung satt zu bekommen und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Bei der Planetary Health Diet geht es eigentlich gar nicht so sehr darum jemandem etwas vorzuschreiben, es ist vielmehr eine globale Strategie, um unsere Lebensgrundlage zu erhalten. Die Verkettung der Ökosysteme und die klimatischen Auswirkungen der Weltwirtschaft führen zu einer völlig neuen Situation. Das 21. Jh ist bisher dominiert von begrenzten Reccourcen und der Suche nach neuen. Stickstoff, Energie, Mineralstoffe, Wasser und Humus sind von unschätzbarem Wert für die Welternährung, aber auch begrenzt, zerstört oder verschmutzt und nicht mehr in den Mengen verfügbar, die benötigt werden.Neue Strategien in Anbau und Ernährung sind also lebensnotwendig.
Warum soziale Intelligenz auch beim Essen immer wichtiger wird
Ernährungsbedingte Gesundheit im 21. Jh. setzt auch soziale Intelligenz voraus. Es bedeutet zu akzeptieren, dass nicht nur wir satt werden müssen, sondern eine große globale Bevölkerung. Dafür benötigen wir neue Strategien der Nahrungsproduktion und intelligente Sozialdynamik. Das Nahrunhsangebot Im 21. Jahrhundert macht aber nicht nur krank, sondern bietet auch eine einmalige Chance auf besondere ernährungsbedingte Gesundheit. Neben den vielen minderwertigen Angeboten, gibt es ein wachsendes Angebot an guten Lebensmitteln, Superfoods und hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln. Richtig eingesetzt kann das epigenetisch vielleicht zu neuen Fähigkeiten und besserer Gesundheit führen, eindeutig eine Chance unserer Zeit. Es liegt an uns für welches Essen wir uns entscheiden, ob wir uns darüber informieren wollen, unserer Gesundheit etwas Gutes tun wollen? Jeder Ernährungstrend hat Auswirkungen auf das globale Nahrungsangebot und auf unser Mikrobiom.

